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Interkulturelle Immobilien-Kommunikation I

21. April 2020 von Marie-Noëlle Sbresny in Real Communication

Wer nimmt schon einen Immobilieninvestor mit dem Sprachniveau eines Fünfjährigen ernst?

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Interkulturelle Immobilien-Kommunikation I

Interkulturelle Immobilien-Kommunikation I: Lost in Translation

In „Lost in Translation“, einem Film der Regisseurin Sofia Ford Coppola aus dem Jahr 2004, reist der alternde US-Filmstar Bob Harris, gespielt vom brillanten Bill Murray, nach Tokio, um dort eine Whisky-Werbung zu drehen. Bei diesem Dreh gibt der Regisseur ausführliche Anweisung auf Japanisch. Die Dolmetscherin fasst diese dann aber immer nur in einem einzigen, einfachen Satz zusammen. Der eigentliche Inhalt geht „in der Übersetzung verloren“.

Dieses Beispiel zeigt: Bei der Übermittlung von Inhalten von einer Sprache und Kultur in die andere, gibt es einige Fallstricke. Deshalb arbeiten wir beim Thema Übersetzung bevorzugt mit selbständigen Übersetzer:innen, die wir schon lange kennen und schätzen – die bereits die Dienstleistungen und Produkte unserer Kund:innen und deren Entsprechung im Deutschen oder Englischen kennen. Aber manchmal müssen wir aus Kapazitätsgründen zusätzlich auf professionelle Großagenturen zurückgreifen und da gibt es durchaus Überraschungen, vor allem wenn es um Übersetzungen ins Englische geht.

Muttersprache vs. Fachsprache

Jede Branche hat bekanntlich ihre eigene Fachsprache. In der Immobilienwirtschaft reicht die von Vokabeln aus der Architektur und Baubranche während der Projektentwicklung, über technische Begriffe aus dem täglichen Gebäudebetrieb, bis hin zum Hochfinanzjargon, wenn es um Finanzierung, Immobilienaktien oder -fonds geht. Als Übersetzer:in kann man nicht in allen Bereichen gleich spezialisiert sein und selbst Profis aus der Finanzbranche wissen nicht immer, wie man deutsche Immobilienvehikel ins Englische überträgt (oder ob das überhaupt sinnvoll ist).

Manchmal sitzt die Fachsprache perfekt, man merkt aber: das war keine Muttersprachler:in. Der Satzbau läuft nach Schema F – was nicht unbedingt falsch sein muss, aber eben nicht der typisch englischen Redensart entspricht. Auch wenn es sich hier auf den ersten Blick nur um „Schönheitsfehler“ handelt, gilt es diese zu korrigieren. Denn wer nimmt schon einen Immobilieninvestor mit dem Sprachniveau eines Fünfjährigen ernst?

Deutsche Bescheidenheit

Mit einer reinen Übersetzung ist es bei der Inhaltsvermittlung längst nicht getan, denn Texte sind über Ländergrenzen hinweg stilistisch teilweise unterschiedlich aufgebaut. Will man zum Beispiel eine britische Pressemitteilung ins Deutsche übertragen, gibt es meist einiges zu kürzen.

Ein Beispiel: „Mit ihrer etablierten Expertise und langjährig bewiesenen Fähigkeiten in Deutschland und Kontinentaleuropa, plant Unternehmen X weitere erfolgreiche Geschäftsaktivitäten in dieser attraktiven Region, stets verantwortungsvoll und professionell handelnd für unsere erstklassigen und finanzstarken Mieter, Top-Tier Investoren und engagierten Mitarbeiter.“

Die Deutsche (Journalist:in) mag es sachlicher, mit weniger Adjektiven, und geht einfach von vorneherein davon aus, dass das Unternehmen professionell, verantwortungsbewusst und möglichst erfolgreich agiert. Wer das betonen muss, klingt, als ob er es nötig hätte. Bescheidenheit ist wohl eine deutsche Tugend. Und nebenbei: Den Unterschied zwischen Europa und Kontinentaleuropa versteht hier auch keiner. Vom Kontinent kann man schließlich nicht austreten.

Ganz davon abgesehen, kürzt die Presse diese Marketing-Botschaften sowieso heraus – und das übrigens auch im Vereinigten Königreich. Wir wollen es den Journalist:innen gerne so einfach wie möglich machen, deshalb haben wir den Satz ohnehin schon aus der Meldung gestrichen. Denn es gibt durchaus Dinge, die man in der Übersetzung verlieren kann.

Zum Thema „German efficiency“ kommen wir im nächsten Blog-Beitrag aus der Reihe übrigens noch einmal zu sprechen. Dann schauen wir uns unterschiedliche Herangehensweisen im direkten Umgang mit den Medien an.

Bildquelle: unsplash.com
Urheber: Alex Knight